#2 Kastner & Öhler

Viele Kunden reisten früher mit dem Zug aus dem Umland an, zumal die wenigsten noch ein Auto besaßen. In der Halle des Kaufhauses hing eine große Uhr und über die Lautsprecheranlage wurden regelmäßig die Abfahrtzeiten durchgesagt, damit niemand seinen Zug versäumte.

So, wie das Carl Kastner, einem der Gründerväter des Kaufhauses, im Jahre 1883 passiert war. Zum Glück. Denn als er sich die unfreiwillige Wartezeit mit einer Erkundungstour durch die Grazer Innenstadt vertrieb, entdeckte er in der Sackstraße Nummer 7 ein leer stehendes Geschäftslokal, das er sofort anmietete. Damit war der Grundstein für das K&Ö-Stammhaus in Graz gelegt. Carl Kastner und sein Kampagnon Hermann Öhler, die bereits zehn Jahre zuvor in Troppau das Unternehmen gegründet hatten, verkauften in Graz zunächst „außerordentlich billige Gelegenheitswaren“. 1885 führten sie als Erstes „feste Preise“ ein – bis dahin wurde gefeilscht – und zwei Jahre später verschickten sie den ersten Katalog im deutschen Sprachraum an Kunden in der Donaumonarchie.

1894 wurde K&Ö zum ersten wirklichen Warenhaus der k. u. k.-Monarchie. […]

Manchmal erzählte mir meine Großmutter, dass in den 1930er-Jahren ein stämmiger Schwarzer als Liftboy gearbeitet hatte, was für Graz eine Novität war und für großes Aufsehen sorgte.

Der Kastner war immer eng mit der Geschichte der Stadt Graz verbunden. Er überdauerte Börsenkräche, Wirtschaftskrisen, Weltkriege. 1938 musste der Name in „Alpenkaufhaus“ geändert werden, Franz Öhler starb im Konzentrationslager Buchenwald.

In den 1950er Jahren wurden das Kaufhaus und der Versandhandel wieder aufgebaut, technische Innovationen wie die vollautomatische Telefonanlage oder der erste Luftvorhang  in einem Warenhaus sorgten für Gesprächsstoff. Am 29. August 1959 wurde dann die erste Rolltreppe in Graz und der Steiermark in Betrieb genommen.

Ab 1965 lautet der offizielle Firmenname wieder Kastner & Öhler und an innovativen Ideen gab es keinen Mangel.

1970 durften Mädchen zum allerersten Mal während der Wintermonate auch Schuluniformhosen tragen, die es nur beim Kastner gab.

Quelle: Unbekannt