#3 Das Witwenpalais

Das Witwendasein kann ambivalente Gefühle auslösen: Meist überwiegt die Trauer, ab und an ertönt ein Seufzer der Erleichterung, doch allein zu sein bedeutet immer einen tiefen Einschnitt im Leben der Zurückgelassenen. War man die Frau des sogenannten „Fideicomissbesitzers“ im Palais Attems, musste frau sich, zumindest was die Wohnung anbelangte, keine Sorgen machen – im Witwenpalais gleich nebenan war Platz genug für einen Lebensabend im gewohnten Ambiente.

Ursprünglich befand sich hier eine Hofstätte mit Stallungen und Gesindehaus. Das heutige Portal weist auf die spätere Bestimmung des Hauses hin, denn an der Stirnseite prangt das Steinrelief einer „Maria im Strahlenkranze“, die als Inbegriff der Frau und Mutter gilt.

Anhand der Bauentwicklung ist gut erkennbar, wie sich die Ansprüche der Witwen im Laufe der Jahrhunderte geändert haben: War das Palais zu Beginn ein schlichtes zweistöckiges Haus, wurden nach und nach eine weitere Etage und ein geräumiger Dachboden aufgesetzt, um der wachsenden Entourage der trauernden Hinterbliebenen Platz und Annehmlichkeiten zu bieten.

Quelle: Unbekannt